Turbulente Tage bei den Kuties vor dem Derby gegen Waiblingen

100 Zuschauer auf fest zugewiesenen Plätzen sind am Samstagabend beim Heimspiel der SG H2Ku Herrenberg gegen Waiblingen in der Markweghalle noch einmal erlaubt – und danach? Foto: TBaur/Eibner

2. Handball-Bundesliga Frauen: Die SG H2Ku Herrenberg spielt am Samstag noch einmal vor 100 Zuschauern. Wie es danach weitergeht, ist offen. Vertrag mit Szimonetta Toepelt-Gera ist aufgelöst.

Artikel vom 31. Oktober 2020

Von Vanessa Frey

HERRENBERG. Wie in der gesamten Sportwelt ging es auch im Gäu in den vergangenen Tagen äußerst turbulent zu. Die SG H2Ku Herrenberg darf aktuell ihren Spielbetrieb in der 2. Handball-Bundesliga der Frauen als Profiliga weiter fortführen. Das württembergische Derby gegen den VfL Waiblingen am heutigen Samstag (20 Uhr) findet also noch vor 100 Zuschauern in der Markweghalle statt, ab November müsste komplett vor leeren Rängen gespielt werden. Aber ob das überhaupt möglich sein wird, wird aktuell noch geklärt. Auch personell gab es unter der Woche eine überraschende Entscheidung: Der Vertrag von Szimonetta Toepelt-Gera wurde in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst. „Natürlich sind diese Ereignisse nicht optimal für die Spielvorbereitung“, meint Trainer Mike Leibssle, „wir als Mannschaft müssen dies jedoch ausblenden und uns so gut es geht auf das Wesentliche konzentrieren.“

Das ist zunächst einmal das Spiel gegen den VfL Waiblingen. Als Zweitplatzierter gehen die Kuties als Favorit in die Partie, die Gäste stehen aktuell auf Rang sieben. „Doch der VfL verfügt auf allen Positionen über unheimlich viel Qualität und hat sich im Sommer gut verstärkt“, warnt Leibssle. Er sieht keine Vorteile für sein Team: „Nach dem Trainerwechsel hat der VfL etwas Zeit gebraucht, um sich zu finden, sich aber in den letzten Spielen gesteigert.“ Seit dieser Saison werden die selbsternannten „Tigers“ von Thomas Zeitz trainiert, der zuvor fünf Jahre an der Seitenlinie des 1. FSV Mainz 05 in der 1. Liga stand. „Wir müssen im Gegensatz zu unserer Niederlage in Zwickau am vergangenen Wochenende definitiv eine Schippe drauflegen“, weiß der Kuties-Coach, „das wird ein absoluter Derby-Kampf.“ In Sachsen war vor allem die Wurfausbeute das große Manko der Herrenbergerinnen. „Aber auch die Deckungsarbeit hat nicht gepasst, das muss am Samstag besser werden“, fordert Leibssle. „Die Mannschaft hat jedenfalls gut trainiert und wird alles reinlegen.“ Verzichten muss er dabei auf Linkshänderin Szimonetta Toepelt-Gera. Die Ungarin hatte Anfang der Woche um die Auflösung ihres Vertrags gebeten. Vor gut eineinhalb Jahren war sie gemeinsam mit Stephanie Schoeneberg und Sarka Marcikova vom TV Nellingen ins Gäu gewechselt, fühlte sich aber mit ihrer Rolle auf dem Spielfeld zuletzt, trotz ausreichender Einsatzzeiten, nicht mehr richtig wohl. „Es sind persönlichen Gründe, die sie zu diesem Schritt bewegt haben“, erklärt Mike Leibssle, „das ist natürlich sehr schade, dennoch müssen wir ihre Entscheidung akzeptieren und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute.“

Schließt die Stadt Herrenberg tatsächlich alle Sportanlagen?

Gegen den VfL Waiblingen wird Leibssle deshalb Sandra Kussmaul aus der zweiten Mannschaft als weitere Option mit in den Kader nehmen. „Da der Spielbetrieb in der Württembergliga aktuell ausgesetzt ist, freuen wir uns, Sandra erneut als Unterstützung mit dabei zu haben.“ Die SG H2Ku Herrenberg stellt für dieses und alle künftigen Spiele erstmals einen Livestream bereit, zu erreichen ist dieser über die Homepage des Vereins. „Wir möchten unsere treuen Zuschauer natürlich mitnehmen und ihnen auch in diesen Zeiten die Möglichkeit geben, zumindest virtuell dabei zu sein“, sagt Katja Rhotert, die Geschäftsführerin der Handball-GmbH, „auch den Sponsoren und Partnern möchten wir auf diesem Weg künftig eine ganz alternative Plattform bieten.“

Gleichwohl stehen die Verantwortlichen der SG vor einer unsicheren Zukunft. Zwar darf die Zweitliga-Mannschaft auch nach der neuesten Corona-Veränderung weiterhin spielen und trainieren, allerdings hat die Stadt Herrenberg vor, ab Montag alle Sportanlagen für den November zu schließen. „Die Situation würde sich dann als schwierig gestalten, da wir ohne Training auch keine Spiele absolvieren könnten“, so Mike Leibssle. Im Moment befindet sich die SG H2Ku in Gesprächen, ob die Kuties als Zweitligist zu den Profimannschaften zählen, obwohl sie natürlich keine ist, eine Sondergenehmigung erhalten können. Auch die Liga ist diesbezüglich bereits eingeschaltet. Sollte es zu keiner Lösung kommen, stellt sich die Frage: Wie soll das die nächsten Wochen überhaupt weitergehen? Ohne Zuschauer, das ist klar, aber ob und überhaupt – das bleibt abzuwarten.

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