Derby-Sieg für die Kuties nach Leistungssteigerung

2. Handball-Bundesliga Frauen: SG H2Ku Herrenberg dreht die Partie gegen den VfL Waiblingen nach einem 12:15-Pausenrückstand und gewinnt 25:23. Ab sofort muss ohne Zuschauer gespielt werden, wobei noch nicht einmal der Trainingsbetrieb gesichert ist.

Der Dank der Kuties nach dem Derby-Sieg gegen den VfL Waiblingen bei den 100 zugelassenen Fans in der Herrenberger Markweghalle: Nach dem neuerlichen Lockdown sind zumindest den ganzen November durch gar keine Zuschauer mehr bei den Spielen erlaubt Foto: TBaur/Eibner

Artikel vom 01. November 2020

Von Vanessa Frey

HERRENBERG. Die Begegnungen zwischen der SG H2Ku Herrenberg und dem VfL Waiblingen in der 2. Handball-Bundesliga der Frauen sind seit jeher eine hitzige Angelegenheit. Da war auch das Aufeinandertreffen beim 25:23-Erfolg der Gastgeberinnen am Samstagabend in der Herrenberger Markweghalle keine Ausnahme. Zwar lief die Gäu-Sieben bis zur Halbzeit einem deutlichen Rückstand hinterher, doch eine gewaltige Steigerung brachte ihr schlussendlich den sechsten Sieg der Saison. „Wir sind natürlich sehr glücklich über die zwei Punkte“, atmete Trainer Mike Leibssle erstmal tief durch, „denn mit dieser Leistung wären wir definitiv schlagbar gewesen.“

Aus dem 6:12-Rückstand bis zur 37. Minute ein 17:17 gemacht

Zwar gestaltete sich die Partie in den ersten zehn Minuten sehr ausgeglichen, doch dann kam ein böser Bruch ins Spiel der Kuties. Immer wieder unterliefen den Gastgeberinnen vor den 100 zugelassenen Zuschauern leichte Fehler, die der VfL eiskalt nutzte und sich kontinuierlich absetzte. „Da war wirklich alles dabei“, haderte Mike Leibssle, „technische Fehler ohne Not und ohne Druck seitens der gegnerischen Abwehr sowie eine Vielzahl an liegengelassenen Torchancen, auch über den Gegenstoß.“ Die Folge war ein deutlicher 6:12-Rückstand in der 20. Minute durch einen Treffer von VfL-Rechtsaußen Tanja Padutsch. „Gefühlt hätten wir sogar noch deutlicher führen müssen“, meinte Gäste-Trainer Thomas Zeitz. Doch seine Mannschaft schaffte es nicht den Vorsprung zu halten, und so verkürze Marie-Christin Beddies mit dem Halbzeitpfiff noch auf 12:15.

„Die Maßgabe für die zweite Hälfte war klar“, erklärte Mike Leibssle, „ich habe von meinen Spielerinnen verlangt, mehr Intensität in die Abwehr zu legen und über unser Tempospiel zurück ins Spiel zu kommen.“ Gesagt, getan: Die Kuties erhöhten die Schlagzahl und machten es den selbsternannten „Tigers“ aus Waiblingen zunehmend schwerer, zum Torerfolg zu kommen. Und als Carolin Tuc sechs Minuten nach Wiederanpfiff zum 17:17 ausglich, kam tatsächlich so etwas wie die traditionelle Derbystimmung trotz der reduzierten Zuschauerzahl auf der Tribüne der Markweghalle auf. Fortan entwickelte sich eine kampfbetonte Abwehrschlacht, bei der nicht mehr viele Tore fallen sollten.

Auch Laura Waldenmaier im Tor der SG H2Ku steigerte sich zunehmend und parierte zahlreiche Würfe der Gäste. „Die Mannschaft hat insgesamt eine tolle Moral bewiesen und sich ins Spiel zurückgekämpft“, war Mike Leibssle angetan. Angeführt von einer bärenstarken Kerstin Foth gingen die Kuties acht Minuten vor dem Ende erstmals seit der Anfangsphase wieder mit 22:21 in Führung. Mit insgesamt zehn Treffern war die Kapitänin erfolgreichste Torschützin und wurde hinterher auch als „Spielerin des Spiels“ ausgezeichnet. Ein Doppelschlag der SG durch Foth und Bissel brachte in der 57. Minute die Vorentscheidung und bedeutete gleichzeitig den 25:23-Endstand.

„Wir dürfen dieses Spiel unter gar keinen Umständen verlieren“, haderte VfL-Coach Thomas Zeitz nach dem Schlusspfiff, „eine bittere Niederlage für uns, Herrenberg hat aber auch gekämpft bis zum Schluss und deshalb verdient gewonnen.“ Seinen Gegenüber Mike Leibssle beeindruckte vor allem die Defensivstatistik seiner Schützlinge: „Wir haben in der zweiten Halbzeit nur noch sechs Feldtore und zwei Siebenmeter bekommen, das ist ein sensationeller Wert.“

Nach einem freien Wochenende geht’s zum TSV Nord Harrislee

Wehmütig schaute der Reutlinger dafür auf die Zuschauerränge der Markweghalle. Bis auf Weiteres müssen bekanntermaßen alle Spiele ohne Zuschauer stattfinden. Kommendes Wochenende haben die Kuties spielfrei, dann geht es planmäßig in den hohen Norden zum TSV Nord Harrislee nach Flensburg. „Wie das unter diesen ganzen Bedingungen aktuell überhaupt vonstatten gehen kann, bleibt abzuwarten“, so Leibssle. Zudem ist die SG H2Ku noch in Gesprächen mit der Stadt Herrenberg über eine Sondergenehmigung für den Trainings- und Spielbetrieb. Die 2. Handball-Bundesliga der Frauen zählt unter den neuen Corona-Maßnahmen der Bundesregierung zum Profibereich, allerdings hat die Stadtverwaltung Ende vergangener Woche mitgeteilt, alle Sportanlagen komplett schließen zu wollen. Eine Lösung für das Herrenberger Zweitligateam kann es erst dann geben, wenn auch die Landesregierung ihre neuen Verordnungen veröffentlicht.

SG H2Ku Herrenberg: Waldenmaier, Elbert; Schoeneberg (3), Bissel (1), Blanke (2), Tuc (3), Bok, Kussmaul, Foth (10/davon 2 Siebenmeter), Bühler, Neubrander (1/1), Hiller (3), Beddies (2).