Engelchen schmücken den Baum mit bunten Bondons

KRZ-Sportventskalender (Türchen 2): Dora Elbert

Bereits zum dritten Mal versüßt die Sportredaktion den KRZ-Lesern die Vorweihnachtszeit mit ihrem Sportventskalender. Thema dieses Jahr: Wie verbringen Sportler aus dem Kreis Böblingen aus verschiedenen Nationen die Weihnachtszeit? 

Für die Handballtorhüterin der SG H2Ku Herrenberg ist Weihnachten ein schöner Anlass, um zurück in ihre Heimat Ungarn zu fahren. Sie hat viele Traditionen auch selbst mitgemacht, unter anderem, um als Jugendliche mit Hilfe von Zetteln herauszufinden, wie ihr Zukünftiger heißt.

Artikel vom 02. Dezember 2020, Kreiszeitung Böblinger Bote

Von Vanessa Frey

HERRENBERG. „Da ich mich mittlerweile fast ausschließlich vegan ernähre, konnte ich an Weihnachten in Ungarn fast nichts mehr essen“, lacht Dora Elbert über ihre letzte Erinnerung an das Fest in ihrer Heimat im vergangenen Jahr. Die 24-Jährige hütet in ihrem sportlichen Leben das Tor der Zweitliga-Handballerinnen der SG H2Ku Herrenberg, ihre Wurzeln hat sie im ungarischen Stuhlweißenburg – oder in der Landessprache auch „Székesfehérvár“. Dort werden die landestypischen Traditionen noch heute gelebt. „Für mich ist Weihnachten ein Familienfest, und wir haben eine sehr große ungarische Familie“, schmunzelt die Torfrau. „Dort sind wir jeden Abend bei einem anderen Teil zu Gast. Das ist für mich immer etwas Besonderes, alle zu sehen und mit ihnen Zeit verbringen zu können.“

1996 dort geboren lebte Dora Elbert bis sie zehn Jahre alt war in Stuhlweißenburg, die auch „Stadt der Könige“ genannt wird und ebenfalls die Heimat von Ministerpräsident Viktor Orban sowie der Handball-Legende Laszlo Nagy ist. 2006 kam sie mit ihrer Familie ins Gäu, genau genommen nach Nebringen. „Deshalb ist Weihnachten immer ein schöner Anlass, um wieder zurück in die Heimat zu fahren“, so Elbert, „meine Urgroßeltern leben noch dort, da werden Traditionen noch großgeschrieben.“ Eine besondere Bedeutung hat in Ungarn im Vorfeld der St. Luzien-Tag am 13. Dezember. Beim Bleigießen versuchen viele Mädchen herauszufinden, welchen Beruf ihr künftiger Lebenspartner haben wird. Viele schreiben zudem die Namen von 13 Jungen auf 13 Zettel, jeden Tag wird dann einer dieser Zettel ungelesen weggeworfen. Am Weihnachtstag ist schließlich nur noch ein Zettel übrig, der den Namen des Zukünftigen verraten soll. „Das habe ich als junges Mädchen auch gemacht“, so Dora Elbert, „bewahrheitet hat es sich noch nicht.“

Zu Weihnachten selbst, „karácsony“ genannt, ab dem 24. Dezember treffen sich die Familien zum klassischen Weihnachtsessen. „Meistens gibt es Fisch, Pute oder Krauteintopf“, erklärt die Kuties-Torhüterin weiter, „auch die Bejgli, süße Teigrollen mit Mohn- oder Walnussfüllung, dürfen nicht fehlen.“

Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird der Wein in der Kirche gesegnet

Am Abend des 24. gibt es die Geschenke, die je nach Familiengläubigkeit das Christkind (Jézuska) oder ein Weihnachtsengel unter den Baum legen. „Während viele Familien den Baum gemeinsam schmücken, erledigen das mancherorts auch noch heimlich die ,Engelchen‘, da werden die Kinder am Nachmittag unter einem Vorwand nach draußen geschickt, das haben sie mit uns früher immer gemacht“, blickt Dora Elbert zurück, „wenn man dann wieder reinkommt, haben die ,Weihnachtsengel‘ den Baum aufgestellt und mit vielen Lichtern und Süßigkeiten geschmückt.“ Unter diesen süßen Dingen befinden sich an jedem ungarischen Weihnachtsbaum auch eine Menge an „szaloncukor“ (Salonzucker) – in glitzerndes Papier eingepackte Schokobonbons mit Marzipan, Fruchtgelee- oder Schokocremefüllung.

„Am zweiten Weihnachtsfeiertag gehen wir stets in die Kirche“, erzählt Elbert. Und ergänzt: „Viele Familien bringen Wein mit, um ihn vom Priester segnen zu lassen. So bekommt er, dem Glauben nach, magische Kräfte und wird dazu benutzt, kranke Menschen und Tiere zu heilen.“

2019 hat Dora Elbert das letzte Mal diese Traditionen miterlebt. Zwischen ihrer handballerischen Karriere bei der SG H2Ku Herrenberg absolviert sie aktuell ein Studium zum gehobenen Dienst bei der Polizei. „Dadurch habe ich nicht oft die Gelegenheit, meine Heimat zu besuchen.“ Sportlich hat Dora Elbert ab der D-Jugend alle Mannschaften der SG H2Ku Herrenberg durchgemacht. Durch ihre Schwester kam sie vor vielen Jahren überhaupt erst zu dem Sport, ins Tor eher durch einen Zufall. „Es fehlte eine Torhüterin – und da haben sie mich einfach mal reingestellt“, erinnert sie sich ganz genau, „da ich noch nicht so gut Deutsch konnte, habe ich gar nicht verstanden, was die von mir wollen.“ Schlecht kann sie sich nicht angestellt haben, denn im weiteren Verlauf ihrer Karriere spielte sie in der damaligen Mannschaft von Birgit Egenter und Roy Bien über Jahre in den obersten Jugendspielklassen Deutschlands, zum Ende hin gar in der A-Jugend-Bundesliga. Über die zweite Frauenmannschaft schaffte Elbert 2016 den Sprung ins Zweitliga-Team.

Aktuell stehen die Kuties mit nur einer Niederlage in der laufenden Saison auf einem hervorragenden zweiten Platz. „Wir können sehr zufrieden sein mit unseren bisher gezeigten Leistungen“, so Dora Elbert, „dennoch werden ich und auch wir als Mannschaft weiter an uns arbeiten.“ Das nächste Spiel bestreiten die Kuties am 9. Januar 2021 zu Hause gegen Lintfort. Damit kann Dora Elbert ein besinnliches „karácsony“ verbringen, aber dann mit größtenteils veganem Essen versteht sich.