Kuties geben zu Hause den ersten Punkt ab

Die SG H2Ku Herrenberg kommt in der 2. Handball-Bundesliga der Frauen gegen Bremen nicht über ein Unentschieden hinaus.

22. Februar, Kreiszeitung Böblinger Bote

von Vanessa Frey

HERRENBERG. Zum ersten Mal in der laufenden Spielzeit mussten die Zweitliga-Handballerinnen der SG H2Ku Herrenberg einen Punktverlust in der heimischen Markweghalle hinnehmen. Gegen Werder Bremen war das Team von Trainer Mike Leibssle am Samstagabend mit dem 26:26-Remis sogar noch gut bedient.“Bis zur 48. Minute war es ein gefühlter Punktverlust für uns, betrachtet man die Schlussphase, war es tatsächlich ein Punktgewinn“, resümierte der Kuties-Coach, „es wäre sicherlich vermeidbar gewesen, aber es war auch klar, dass wir daheim nicht komplett mit einer weißen Weste durch die Runde kommen.“ An ihrer Platzierung im Unterhaus hat sich durch das Unentschieden nichts geändert, die SG steht mit 26:6 unkten weiterhin auf einem soliden dritten Platz. 

Zu Beginn der Partie lieferten sich beide Mannschaften einen offenen Schlagabtausch. Bis zur 11. Minute gaben die Kuties durch einen Treffer von Anika Bissel zum 5:4 zunächst den Ton an. Im Anschluss ließen die Hausherrinnen vor allem in der eigenen Abwehr abreißen und sahen sich nach einem 4:0-Lauf von Werder plötzlich mit 5:9 im Hintertreffen. „Nachdem wir ordentlich begonnen hatten, haben wir in der Defensive überhaupt keinen Zugriff mehr bekommen“, hadert Mike Leibssle. Vor allem die beiden Werderanerinnen Naomi Conze und Nina Engel bekamen die Kuties überhaupt nicht mehr in den Griff. Bremens Nachwuchssportlerin des Jahres 2019 Naomi Conze erzielte alle ihrer insgesamt sieben Treffer in Hälfte eins. Nach dem 12:7 für die Gäste (23. Min.) reagierte Mike Leibssle auf die mit einer offensiveren Abwehrvariante und beorderte die flinke Marie-Christin Beddies auf die Spitze. „Ich wollte damit das Timing von Werder stören und ihre mannschaftstaktische Ausrichtung unterbrechen“, erklärt der Coach. Diese Umstellung und ein Wechsel im Tor der Kuties zu Dora Elbert brachte in Folge defensiv wieder Stabilität ins Spiel der SG. Bis zum Halbzeitpfiff konnten die Herrenbergerinnen durch drei Treffer von Lea Neubrander in Folge auf 13:14 verkürzen. 

Nach dem Wiederanpfiff hielt Mike Leibssle weiterhin an seiner offensiven 5:1-Abwehrformation fest. „Vor allem Marie-Christin hat das vorne gute gelöst“, lobt der Reutlinger, „bisher haben wir diese Variante kaum trainiert, deshalb können wir damit sehr zufrieden sein.“ Auch die Angriffsleistung der Kuties nahm in der zweiten Halbzeit zunehmend Fahrt auf. „Die Bremerinnen hatten dann ihrerseits kaum noch Lösungen gegen unsere Abwehr“, schildert Leibssle, „das hat uns natürlich Aufwind gegeben.“ Erneut zwei Treffer von Neubrander zur 19:15-Führung zwang Gäste-Trainer Robert Nijdam im Anschluss zu einer Auszeit. Die Kuties ließen sich dadurch jedoch nicht aus dem Konzept bringen und schraubten den Spielstand bis zur 48. Minute auf 24:18 nach oben. 

Und plötzlich schien der Stecker im Angriffsspiel der Gäu-Sieben gezogen. „Dann nehmen wir uns ungenaue Würfe, produzieren technische Fehler und haben dann auch noch Pech mit drei Pfostentreffern“, ärgert sich Leibssle über die Schlussphase seiner Mannschaft. Sechs unbeantwortete Treffer durch Bremen egalisierten drei Minuten vor dem Ende dann zum 24:24. Nina Engel erzielte in der 58. Minute die erste Führung für Werder seit der ersten Halbzeit zum 25:24. Lea Neubrander beendete die zehnminütige SG-Torflaute dann mit ihrem 13. Treffer und glich den Spielstand erneut aus. 

Und die letzte Minute war nichts für schwache Nerven: Nach einem erneuten Führungstreffer von Bremen blieben die Kuties an Werder-Torhüterin Danique Trooster hängen, der SV konnte aber seinerseits einen Wurf zum endgültigen Sieg nicht unterbringen, sodass Aylin Bok über den Kreis den 26:26 Endstand markierte. „Ein absolutes Wechselbad der Gefühle“, so Leibssle, „in der letzten Minute muss Bremen das Spiel eigentlich gewinnen, deshalb sind wir umso glücklicher über diesen Punkt.“ Nächstes Wochenende müssen die Kuties auswärts beim fünften HSV Solingen-Gräfrath 76 ran. „Und die sind nach eigenen Leistungschwankungen vermutlich ebenso verunsichert wie wir nach dieser Partie.“ 

SG H2Ku Herrenberg: Waldenmaier, Elbert (Tor); Schoeneberg (1), Bissel (2), Blanke (2), Tuc, Bok (3), Bühler, Seeger, Foth (1), Neubrander (13/3), Hiller (1), Beddies (3).