So lief der Saisonstart für die SG H2Ku Herrenberg

Der zweite Nackenschlag für die Kuties nach dem frühen Ausfall von Annika Blanke: Rote Karte für Tanja Padutsch Foto: Eibner/Bamberger

von Peter Gebhardt,  05.09.2021

Die SG H2Ku Herrenberg verliert in der 2. Handball-Bundesliga der Frauen zum Saisonauftakt nicht nur das Spiel bei den Kurpfalzbären in Ketsch mit 25:33, sondern auch Annika Blanke mit einer schweren Schulterverletzung.

Herrenberg – Von ihrem ersten Spiel der neuen Saison in der 2. Handball-Bundesliga kehrten die Frauen der SG H2Ku Herrenberg mit einer Niederlage zurück. Weit mehr als das 25:33 (13:15) beim Absteiger aus der 1. Liga, den Kurpfalzbären Ketsch, schmerzt jedoch die schwere Verletzung von Annika Blanke.

Annika Blanke kugelt sich die Schulter aus

Das Spiel war noch keine sieben Minuten alt, als sich die Spielmacherin der Kuties im linken Rückraum Richtung Tor durchtankte. Von der Seite geschoben, ging Blanke zu Boden und blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen. Schiedsrichter und Spielerinnen waren sich der Schwere der Verletzung sofort bewusst. Nach bangen Minuten des Wartens und Behandelns konnte Annika Blanke zwar zur Bank zurückgehen, wurde jedoch noch während der Partie in eine Klinik nach Schwetzingen gebracht. Erste Diagnose noch in der Halle deutete auf eine Schulterluxation hin, also eine ausgekugelte Schulter. Gästetrainer Mike Leibbsle konnte dies gleich nach Spielende jedoch noch nicht bestätigen. „An Spekulationen werde ich mich nicht beteiligen. Wir warten ab“, sagte er. Im Laufe des Sonntags bewahrheiteten sich dann allerdings die schlimmsten Befürchtungen.

Anfänglich 4:1 geführt

Bis zu diesem Zeitpunkt war das Konzept des Trainers für die Partie voll aufgegangen. Mit schnellen Ballpassagen wurden die Schnittstellen der offensiven Ketscher Abwehr vor allem durch Lea Neubrander und Marie Beddies bespielt. Was folgte, war ein eigener Torabschluss, ein Abspiel auf außen oder ein Strafwurf. Dies alles waren Optionen, die zum Erfolg führten. Das schnelle 4:1 nach fünf Minuten war aber auch das Ergebnis aufmerksamer Abwehrarbeit mit einer Laura Waldenmaier dahinter, die ihr Tor vornehmlich im ersten Durchgang schier vernagelte.

Rote Karte für Tanja Padutsch

Auch die Verletzung von Annika Blanke konnte das Spielkonzept zunächst nicht erschüttern – bis zur 15. Minute. Es sollte der zweite Nackenschlag der Partie werden. Im Tempogegenstoß der Kurpfalzbären versuchte Rechtsaußen Tanja Padutsch von der Seite kommend Lara Eckardt den Ball zu entreißen. Diese kam ins Straucheln, konnte aber noch aufs Tor werden. Alles rechnete mit einem Strafwurf. Diesen gab es auch, zur Überraschung fast aller in der Neurotthalle zückten die beiden Unparteiischen jedoch glatt die Rote Karte. Es war eine der Szenen, die Mike Leibssle auch nach Spielschluss noch nicht nachvollziehen konnte. „Insgesamt war keine klare Linie der Schiedsrichter auszumachen. Das Verhältnis beider Teams mit progressiven Bestrafungen war überhaupt nicht ausgewogen. Die Szene selbst muss ich mir aber später noch einmal anschauen.“ In der Tat kassierten die Gastgeberinnen mit ihrem bisweilen rustikalen Zupacken in der Abwehr nur eine Gelbe Karte im gesamten Spiel. Für das folgenschwere Foul an Annika Blanke gab es zum Beispiel nur einen Strafwurf ohne jegliche Zusatzstrafe.

Erste Führung für Ketsch beim 10:11

Zum Zeitpunkt der Roten Karte führte der Gäu-Club aber noch immer mit 9:7 und war auf Kurs. Rebecca Rott bildete nach Annika Blankes Ausscheiden mit Marie Beddies und Lea Neubrander das Rückraumtrio. Der zweite Rückschlag mit dem weiteren Ausfall einer erfahrenen Spielerin brachte den Gästemotor aber deutlich ins Stocken. In der 18. Minute glichen die Kurpfalzbären beim 9:9 erstmals aus, drei Minuten später war der erste Vorsprung der Gastgeberinnen beim 11:10 fällig. Es war eine Führung, die im restlichen Spiel auch nicht mehr wechseln sollte. Das 15:13 für Ketsch ließ schon ahnen, dass es auch in der zweiten Halbzeit ein schwerer Gang werden würde.

Moral ist ungebrochen

Dies zeigte sich auch gleich nach dem Wiederanpfiff. Vier Tore in Folge zum 19:13 sorgten für eine Vorentscheidung schon zu Beginn des zweiten Durchgangs zugunsten der Gastgeberinnen, die sich nun auf eine weitaus defensivere Deckungsvariante zurückzogen. „Damit war zu rechnen“, so Mike Leibssle lapidar. Natürlich wusste auch er, dass mit fortdauernder Spielzeit die Kräfte beim dezimierten Herrenberger Kader immer mehr schwinden würden. Trotzdem freute sich der Trainer über die ungebrochene Moral seiner Mannschaft. Rebecca Rott fand nach Anlaufschwierigkeiten immer besser ins Spiel, Maileen Seeger hatte auf Rechtsaußen gute Szenen, und auch über den Einstand von Marie Thiwissen und Svenja Graebling aus dem Württembergliga-Team konnte sich Mike Leibssle freuen. So wurde diese Moral erst einmal bis zum 22:19 nach 42 Minuten belohnt.

Körner aufgebraucht

Damit hatten die Kuties aber letztlich ihre Körner aufgebraucht. Die Schlussviertelstunde stand ganz im Zeichen der Kurpfalzbären. Und hätten die Kuties nicht bis zur letzten Minute dagegengehalten, wäre das 33:25 am Ende wohl noch deutlicher ausgefallen. Ein versöhnliches Fazit für Mike Leibssle, auch wenn dies durch die Begleitumstände des Tages in den Hintergrund trat.

SG H2Ku Herrenberg: Waldenmaier, Holzner; Schoeneberg (1), Blanke, Bok, Bühler (1), Seeger (2), Rott (5/davon 3 Siebenmeter), Neubrander (6/1), Beddies (3), Padutsch (2), Luber (3), Thiwissen (1), Graebling (1).

2. Handball-Bundesliga Frauen: So lief der Saisonstart für die SG H2Ku Herrenberg – Handball im Kreis Böblingen – Kreiszeitung Böblinger Bote (krzbb.de)